31. Dezember - Integration des Dharmas ins tägliche Leben

Ein Mädchen sitzt zu Hause und praktiziert die Meditation der 'Liebenden Güte'. Da wird ihre tägliche Übung durch den kleinen Bruder unterbrochen, der sie anbettelt, mit ihm zu spielen. Das Mädchen schreit ihn an: "Lass mich allein! Ich übe gerade Liebende Güte!" Ihr betroffener Bruder schreckt zurück und antwortet: "Wie kann das sein? Du bist doch gerade wütend auf mich!" Und das Mädchen war sprachlos.

Was ist die Moral dieser kurzen Geschichte?
Einige Buddhisten integrieren die Dharma-Praktiken nicht genug in ihr tägliches Leben. Es wird unbewusst eine Grenze gezogen, um das Praktizieren (Meditation, Chanting, Studium des Dharmas...) vom Rest des Tages zu trennen:

Praktizieren | Rest des Tages

Aufgrund der klaren Abgrenzung enden Übungen oft in sich selbst und ihre Ergebnisse (wie gesteigerte Achtsamkeit oder Liebende Güte) gehen nicht in den Rest des Tages über.

Hier ist ein weiteres Beispiel eines "dharmisch" unverbundenen Buddhisten:
Ein stark beschäftigter Angestellter hastet nach seiner Arbeit unachtsam zu einem Dharma-Center, damit er die Meditation der Achtsamkeit eine halbe Stunde lang praktizieren kann. - Nur um danach wieder, genauso unachtsam wie er gekommen ist, davonzuhasten und einen weiteren Termin wahrzunehmen.

Wir müssen erkennen, dass das Praktizieren dafür gedacht ist, den Rest des Tages davon zu profitieren. Wir sollten uns anstrengen (kontinuierlich und mit Achtsamkeit), die positiven Effekte der regelmäßigen Praxis in den Rest des Tages sickern zu lassen, ihn völlig zu durchdringen und so zum Besseren zu wandeln.

Die Zeit des Praktizierens geht weit darüber hinaus und viel weiter - als die Zeit, die für regelmäßige Übungen aufgebracht wird. Der Rest des Tages stellt den eigentlichen Test dar und zeigt, ob du richtig geübt hast. In der Tat ist jeder Moment ein erneuter Test. Im Leben gibt es keinen Pseudotest oder eine Theaterprobe. Jeder einzelne Gedanke, jedes Wort und jede Handlung resultieren in neu geschaffenem Karma, zum Besseren oder Schlechteren, ob du willst oder nicht.

Regelmäßige Übungen sind vergleichbar mit einem vertiefenden Studium und der Wiederholung des Dharmas. Den Rest des Tages wirst du kontinuierlich geprüft, wie gut du den Dharma integriert hast, während dir Herausforderungen aus sich wechselnden Umständen begegnen - sei es auf Arbeit, bei einem Spiel oder sei es eine gewöhnliche Aufgabe, wie in den vollen Zug zu steigen.

Regelmäßige Übungen wie tägliches Chanting am Morgen und Abend oder die Meditationsübungen sind nichts weiter als eine konzentrierte und verstärkte Praxis des Dharmas, verglichen mit dem Rest des Tages, der ebenso wichtig ist und als Grundlage für die Dharma-Übungen dient.

Das Praktizieren des Dharmas ist letztlich ein '24-Stunden-Job' - ob du berufstätig bist oder nicht. Ein guter Buddhist nimmt beispielsweise keinen 'Urlaub' oder 'frei' von den buddhistischen Geboten, auch wenn er in einem Land auf Reisen ist, das keine buddhistische Kultur kennt. Daher stammt auch die Redensart: "Hebst du deinen Fuß oder stellst du ihn ab, du befindest dich immer noch an einem Ort, wo der Dharma praktiziert wird." Wir sollten demnach eine gepunktete Grenze ziehen zwischen dem Praktizieren und dem Rest des Tages.

Praktizieren : Rest des Tages

Nur so kann unsere Praxis alles durchdringen. Indem wir den Dharma ins tägliche Leben integrieren, können wir unser spirituelles Wohlergehen prüfen.
Wenn ich zum Beispiel die Meditation der Liebenden Güte für einen ganzen Monat täglich praktiziert hätte und immer noch aufbrause, wenn mich mein kleiner Bruder nach etwas 'Liebender Güte' fragt, muss etwas falsch mit meiner Übung sein; jedenfalls mehr als mit meinem Bruder! Dann wird es Zeit nachzuschauen, wie gut ich meine regelmäßige Übung vollzogen habe und ob sie tatsächlich gut genug in den Alltag integriert wurde.

Nur wenn sich der Dharma täglich geeignet wiederfindet, wirst du aus deinem Leben direkte Rückmeldung erhalten, ob du den Dharma stets richtig praktiziert hast, sodass er dir und anderen wahrhaft nützen kann.